Eine Sanktionslistenprüfung hilft Unternehmen dabei, Personen, Firmen und Organisationen mit offiziellen Sanktionslisten abzugleichen. Sie dient der Risikominimierung, der Einhaltung von Sorgfaltspflichten und der Dokumentation von Compliance-Prozessen. Besonders für Treuhänder, Compliance-Verantwortliche und international tätige Unternehmen gehört sie heute zu den wichtigen Prüfhandlungen bei neuen Geschäftsbeziehungen.
Was versteht man unter einer Sanktionslistenprüfung?
Eine Sanktionslistenprüfung bezeichnet den Abgleich einer Person oder Organisation mit einer oder mehreren offiziellen Sanktionslisten.
Ziel ist festzustellen, ob gegen die betreffende Person oder Organisation wirtschaftliche oder rechtliche Einschränkungen bestehen.
Geprüft werden beispielsweise:
- Kunden
- Lieferanten
- Geschäftspartner
- Verwaltungsräte
- wirtschaftlich Berechtigte
- zeichnungsberechtigte Personen
- Stiftungsräte
- Bevollmächtigte
Die Prüfung erfolgt in der Regel anhand von Namen, Unternehmensbezeichnungen und weiteren Identifikationsmerkmalen.
Warum sind Sanktionslisten überhaupt notwendig?
Sanktionen sind politische oder wirtschaftliche Massnahmen von Staaten oder internationalen Organisationen.
Sie sollen verhindern, dass bestimmte Personen, Unternehmen oder Organisationen Zugang zu Vermögenswerten, Finanzdienstleistungen oder Geschäftsbeziehungen erhalten.
Gründe für Sanktionen können unter anderem sein:
- Terrorismusfinanzierung
- schwere Menschenrechtsverletzungen
- Geldwäscherei
- Korruption
- Unterstützung sanktionierter Staaten oder Organisationen
- Umgehung internationaler Embargos
Sanktionslisten machen diese Informationen für Unternehmen und Behörden zugänglich.
Welche Sanktionslisten sind für Schweizer Unternehmen relevant?
Je nach Branche und Geschäftsmodell können unterschiedliche Listen von Bedeutung sein. Besonders häufig geprüft werden:
SECO (Schweiz)
Die Schweizer Sanktionslisten werden durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) veröffentlicht. Für Schweizer Unternehmen bilden sie die wichtigste nationale Referenz.
OFAC (USA)
Die Listen des US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC) gehören weltweit zu den bekanntesten Sanktionslisten. Viele internationale Banken berücksichtigen OFAC-Prüfungen unabhängig vom Geschäftsstandort.
Vereinigtes Königreich (UK)
Nach dem Brexit führt Grossbritannien eigene Sanktionslisten. Diese gewinnen insbesondere bei internationalen Geschäftsbeziehungen an Bedeutung.
Vereinte Nationen (UN)
Die UN Security Council Consolidated List enthält internationale Sanktionen der Vereinten Nationen. Sie bildet häufig die Grundlage nationaler Sanktionssysteme.
Wer sollte eine Sanktionslistenprüfung durchführen?
Viele Unternehmen unterschätzen die Relevanz von Sanktionsprüfungen. Besonders sinnvoll sind sie für:
Treuhänder
- Mandatsannahmen
- Änderungen von wirtschaftlich Berechtigten
- Verwaltungsratswechsel
- Gesellschaftsgründungen
KMU
- neue Kunden
- neue Lieferanten
- neue Vertriebspartner
- internationale Geschäftsbeziehungen
Corporate-Service-Anbieter
- Gründungen
- Direktorenmandate
- Compliance-Abklärungen
Verwaltungsräte
- risikoreiche Geschäftsbeziehungen
- neue Investitionen
Family Offices
- Investitionen
- Gegenparteiprüfungen
Rechtsanwälte und Berater
- Due-Diligence-Projekte
- Compliance-Projekte
Wie läuft eine Sanktionslistenprüfung ab?
Eine moderne Prüfung besteht meist aus drei Schritten.
Schritt 1: Person oder Unternehmen eingeben
Beispiele: Wilhelm Tell oder WT Treuhand AG.
Schritt 2: Automatischer Listenabgleich
Die Angaben werden mit den relevanten Sanktionslisten abgeglichen.
Schritt 3: Ergebnis dokumentieren
Das Ergebnis wird dokumentiert und idealerweise in einem Prüfbericht gespeichert. Dadurch bleibt die Prüfung später nachvollziehbar.
Was bedeutet ein Treffer?
Ein Treffer bedeutet nicht automatisch, dass die gesuchte Person tatsächlich sanktioniert ist.
Oft handelt es sich um sogenannte False Positives. Typische Ursachen sind:
- gleiche Namen
- ähnliche Schreibweisen
- unterschiedliche Transliterationen
- fehlende Zusatzinformationen
Deshalb sollten mögliche Treffer immer manuell überprüft werden. Wichtige Zusatzinformationen sind beispielsweise:
- Geburtsdatum
- Nationalität
- Wohnort
- Firmenadresse
- Aliasnamen
Häufige Fehler bei Sanktionsprüfungen
Nur Google verwenden
Eine Google-Suche ersetzt keine strukturierte Sanktionslistenprüfung.
Keine Dokumentation erstellen
Ohne Dokumentation lässt sich die Prüfung später oft nicht nachweisen.
Nur eine Liste prüfen
Je nach Geschäftsmodell können mehrere Listen relevant sein.
Nur einmal prüfen
Sanktionslisten werden laufend aktualisiert. Eine Person kann heute unauffällig und morgen neu gelistet sein.
Warum ist die Dokumentation so wichtig?
Für viele Unternehmen genügt es nicht, eine Prüfung durchgeführt zu haben. Sie müssen die Prüfung auch nachweisen können.
Ein professioneller Prüfbericht dokumentiert unter anderem:
- Prüfdatum
- geprüfte Person oder Organisation
- verwendete Quellen
- Prüfergebnis
Gerade für Treuhänder, Compliance-Verantwortliche und Revisoren ist diese Dokumentation oft entscheidend.
Fazit
Eine Sanktionslistenprüfung hilft Unternehmen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, Geschäftsbeziehungen verantwortungsvoll einzugehen und ihre Sorgfaltspflichten nachvollziehbar zu dokumentieren.
Besonders für Treuhänder, Compliance-Verantwortliche, Verwaltungsräte und international tätige Unternehmen gehört sie heute zu den wichtigen Compliance-Massnahmen.